LKW-Shooting mit entfesselten Blitzen und Fahrbildern

LKW-Test DAF XF 440

Anfang Juni war ich mal wieder mit einem Technik-Redakteur unterwegs, um einen LKW zu testen und zu bebildern.

Zu dieser Art Aufträgen bin ich vor einem dreiviertel Jahr zufällig gekommen – der eigentlich gebuchte Fotograf war krank geworden und ich hatte einen Tag vor dem Shooting die Anfrage bekommen.

Damals hatte ich nicht wirklich Ahnung von LKW-Tests und sagte das auch (ich finde es wichtig, gegenüber Auftraggebern mit offenen Karten zu spielen). Allerdings beherrsche ich die Fotografie nun doch schon so weit, dass man mir sagen konnte, was aufs Bild sollte und ich das auch umsetzen konnte. Für die Fahrtbilder ging ich allerdings weiter als andere Fotografen, was offensichtlich gefiel.

Inzwischen bin ich der Stammfotograf der Redaktion, auch für andere Verkehrsmagazine unterwegs und bereits von LKW-Herstellern gebucht worden. ;-)

Es kommt also nicht nur auf Glück an, man muss eine Gelegenheit dann auch selbstbewusst am Schopf packen!

Mein Foto als Titelbild im Scania Medienspiegel

Mein Foto als Titelbild im Scania Medienspiegel

 

Die Sache mit dem Layout

Die generelle Herausforderung bei Shootings für Magazine und Zeitungen ist, Layoutern möglichst viele Gestaltungsmöglichkeiten zu bieten. Denn richtig gute, ideenreiche Layouter freuen sich über Bilder, mit denen sie mehr machen können als nur einen Kasten im Standard-Layout zu füllen. Nicht zu vergessen, dass Medien immer auch Bilder benötigen, die sie links oder rechts anordnen können.

Deshalb wird es noch schwerer, wenn die Bilder in verschiedenen Medien verwendet werden sollen oder man für das Archiv einer Nachrichtenagentur fotografiert. Ohne Vorgaben einen bunten Strauß Bilder abzuliefern erfordert also schon ein wenig mehr Nachdenken und Intuition (und Vorstellungskraft), als einfach nur zu knipsen.

Eure Aufgabe als Fotografen ist es schließlich, den Kunden zu zeigen, was über ihren Horizont hinaus noch alles geht ;-)

Im Beispiel unten sehr ihr, wie eines der Fahrfotos vom aktuellen Shooting schließlich eingebunden wurde.

Screenshot vom Artikel der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ)

Screenshot vom Artikel der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ)

Statt den LKW bei diesem Test immer nur mittig zu fotografieren, habe ich ihn in auch mal rechts und links im Bildausschnitt positioniert, soweit das aus dem Beifahrerfenster eines fahrenden Autos im Berufsverkehr möglich war (das seht ihr auf den Bildern weiter unten).

Der Layouter hat das schattige Grün der Bäume dann auch gleich genutzt, um die weiße Überschrift in das Bild zu setzen. Passend dazu konnte er die Balken mit den Ergebnissen grün färben – denn der DAF XF 440 hat Spitzenwerte in Sachen Umweltbelastung und Verbrauch eingefahren…

Und das ist ein weiterer wichtiger Punkt, wenn ihr mal für Zeitungen und Agenturen unterwegs sein solltet: Achtet auf die Geschichte, denn eure Fotos müssen sie ergänzen.

Bei Interviews zu den Geschichten habe ich deshalb möglichst immer genau zugehört, statt nur in der Ecke oder vor der Tür zu warten. Oft ergaben sich dadurch Aufhänger für Bilder, die die Story hinterher lebendig und authentisch gemacht haben.

Fahrzeugbilder mit entfesselten Blitzen

Vor diesen „aufregenden“ Fahrbildern standen natürlich noch Detailaufnahmen an, mit denen bestimmte Kritikpunkte oder positive Innovationen bebildert werden sollten.

Der Einsatz von Blitzen ist dabei immer hilfreich, denn gerade bei der Fotografie von Fahrzeugen kann man bestimmte Aspekte mit gezieltem Lichteinsatz hervorheben. Und nicht nur das – eine geschlossene Blende erhöht die Tiefenschärfe und lässt das Bild knackiger aussehen. Zumal ich so mein eigenes Licht steuern kann und nicht auf das momentane Umgebungslicht angewiesen bin.

Zwei Canon 600EX-RT auf Stativen, ausgelöst mit dem ST-E3-RT auf der Kamera (Canon 5DmkIII)

Zwei Canon 600EX-RT auf Stativen, ausgelöst mit dem ST-E3-RT auf der Kamera (Canon 5DmkIII)

Nutzt ein Maler nur zwei Primärfarben?

Kleiner „Rant“: Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie oft sich selbst sogenannte „Industriefotografen“ damit rühmen, ausschließlich mit „Umgebungslicht“ zu arbeiten. Nach meiner Erfahrung in der Branche haben die einfach keine Ahnung, wie man blitzt. Und die Kunden lassen sich durch viel Photoshop blenden, weil sie es nicht besser wissen…

„Photographieren“ bedeutet ja wörtlich, „mit Licht zu malen“.

Stellt euch mal vor ein Maler würde euch erzählen, dass er nur mit zwei Primärfarben malt. Und genau so ist es auch, wenn man sich das Licht nicht genau da setzt, wo man es braucht…

LINKS: Um den LKW ausreichend hell zu bekommen, musste ich die Belichtungszeit verlängern. Dadurch wurde der Himmel weiß und konturlos, außerdem sticht der LKW nicht mehr aus der Umgebung hervor. RECHTS: Mit nur zwei Blitzen (Aufbau siehe voriges Bild) war es möglich, die Belichtungszeit wieder zu verkürzen, die Umgebung abzudunkeln und dem LKW sogar noch ein knackiges Aussehen zu geben.

LINKS: Um den LKW ausreichend hell zu bekommen, musste ich die Belichtungszeit verlängern. Dadurch wurde der Himmel weiß und konturlos, außerdem sticht der LKW nicht mehr aus der Umgebung hervor. RECHTS: Mit nur zwei Blitzen (Aufbau siehe voriges Bild) war es möglich, die Belichtungszeit wieder zu verkürzen, die Umgebung abzudunkeln und dem LKW sogar noch ein knackiges Aussehen zu geben.

Wenn ihr genau hinseht erkennt ihr, dass auf dem rechten Bild die Konturen und Kanten deutlich mehr Tiefe haben, weil das Licht von der Seite kommt.

Sicherlich ist es nicht perfekt, doch für ein schnelles Shooting mit geringem Budget (hallo Journalismus-Welt) ist es ausreichend.

Der dritte Blitz

Eine Sache hat mich aber dann doch gestört, nämlich die dunkle Fahrerkabine. Da vor der Frontscheibe eh‘ ein größeres Plastikteil auf das Armaturenbrett aufgesetzt war, konnte ich ganz einfach einen dritten Canon 600EX-RT dort hinstellen und ebenfalls mit dem ST-E3-RT per Funk fernauslösen.

Das neue eingebaute Funksystem von Canon begeistert mich übrigens sehr. Nur ganz wenig Aussetzer und sehr einfach zu bedienen! Kann man aber bei knapp 580 Euro pro Blitz auch verlangen, denke ich.

Zwei Canon 600EX-RT auf Stativen und einer zusätzlich in der Kabine, ausgelöst mit dem ST-E3-RT auf der Kamera (Canon 5DmkIII)

Zwei Canon 600EX-RT auf Stativen und einer zusätzlich in der Kabine, ausgelöst mit dem ST-E3-RT auf der Kamera (Canon 5DmkIII)

Und so sah das dann im Vergleich aus:

Schaut euch mal den Himmel im rechten Bild an - dank der Blitze konnte ich meine Belichtung für den Himmel einstellen und mir vorne mein eigenes Licht gestalten. Dort wäre sonst alles dunkel gewesen....

Schaut euch mal den Himmel im rechten Bild an – dank der Blitze konnte ich meine Belichtung für den Himmel einstellen und mir vorne mein eigenes Licht gestalten. Dort wäre sonst alles dunkel gewesen….

Wenn das Setup erstmal steht…

Der große Vorteil dieser kleinen Aufsteckblitze der Kamerahersteller ist, dass sie sehr schnell aufgebaut sind, wenig Platz am Set (und in der Tasche) wegnehmen und zudem mit einer Hand versetzt werden können.

Für die folgenden Bilder von Fahrzeugdetails und bestimmten Arbeiten am Auto habe ich mir also einfach ein Stativ mit einem 600EX-RT gegriffen, der weiterhin vom Sender ST-E3-RT auf der Kamera ausgelöst wurde. Teilweise war meine neue Westcott Rapid Box montiert, die mit ihrem Durchmesser von 66cm ein schönes weiches Licht zaubert.

Später in der Fahrerkabine war es mit einem einzigen Blitz auch ganz einfach, die Kabine auszuleuchten und gegen das Tageslicht anzukämpfen ;-)

Ich habe in meinem kompakten Foto-Trolley (ThinkTankPhoto Airport International v2) übrigens vier Aufsteckblitze und den Funkauslöser neben allem untergebracht, was ich sonst noch benötige und bin mit einem einzigen Gepäckstück so für alle möglichen Aufträge gewappnet (abgesehen von ein paar Stativen im Auto):

ThinkTankPhoto "Airport International V2.0" mit Kameras, Objektiven und vier Blitzen 600EX-RT

ThinkTankPhoto „Airport International V2.0“ mit Kameras, Objektiven und vier Blitzen 600EX-RT

Falls ich doch mal mehr „Wumms“ brauche, habe ich mit dem „großen Bruder“ Airport Security einen weiteren Trolley, in dem der Elinchrom Quadra, vier weitere Nikon-Blitze (SB-800) mit Fotozelle und ein paar Hilfsmittel auf ihren Einsatz warten. Selbst das ist noch bequem, weil ich so mit zwei Trolleys locker zur Location rollen kann, ohne schwer heben zu müssen:

ThinkTankPhoto "Airport Security V2.0" mit weiterem Blitzequipment und Zubehör

ThinkTankPhoto „Airport Security V2.0“ mit weiterem Blitzequipment und Zubehör

Zum Ende: Ergebnisse und Making of-Fotos

Im Anschluss findet ihr nun noch weitere bearbeitete Ergebnisse und ein paar Making-of-Bilder, die mir freundlicherweise vom Redakteur zur Verfügung gestellt wurden!

Tipp: Die Belichtungswerte seht ihr, wenn der Mauszeiger über das Bild gehalten wird.

Wenn es euch gefallen hat und informativ war, hinterlasst mir doch einen Kommentar. So weiß ich, dass ich mir nicht umsonst die Mühe mache!

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7 Comments

  • Reply
    Marc Köppelmann
    18. Juni 2014 at 1:25

    Tolle Erklärungen, Tolle Aufnahmen – Super !!!

  • Reply
    DAF Corporate Communications
    18. Juni 2014 at 13:30

    Good work and nice article, Stefan.

  • Reply
    Ingo
    27. Juli 2014 at 23:13

    Hallochen Stefan,
    mit dieser Materie habe ich mich bisher noch nicht beschäftigt.
    Ich finde es immer wieder spannend wenn man Einsichten in die Arbeit anderer Fotografen erhält.
    Es geht nicht ums „kopieren“ jeder muss seinen eigenen Weg gehen. Dennoch sind Anregungen und geteiltes Gedankengut oftmals sehr hilfreich.
    Wer nicht eine „große Fotoschule“ durchgemacht hat, sondern als Autodidakt sein Handwerk erlernt hat, der weiß Hinweise und Tipps von welchen die es schon können zu schätzen.
    Ich teile mein Wissen auch gerne und habe keine Angst das es Andere dann besser machen als ich.
    Als Fotograf kann man sich immer und immer weiterentwickeln. Wenn man alte Standards und Regeln der Optik beherzigt und aber auch bereit ist neue Wege zu gehen und sich auch mal für Trends zu öffnen.
    Ich wünsche Dir viel Erfolg, „Gut Licht und immer volle Akkus“ :)

    Herzliche Grüße, Ingo.

    • Reply
      Stefan
      11. August 2014 at 7:06

      Hallo Ingo,

      vielen Dank für deine Worte! Ich komme leider erst jetzt zum Antworten ;-)

      Du hast vollkommen Recht – ich habe mir das Fotografieren auch selbst beigebracht, allerdings durch nächtelanges Lesen in Blog von Fotografen, die ihr Wissen teilten, vieles gelernt oder mir Anregungen geholt!

      Genau deshalb auch mein Blog: Nicht um zu zeigen, dass ich ein ganz toller sei, sondern um etwas weiterzugeben und zu hoffen, dass es andere dann ebenfalls tun.

      Ich werde oft von professionellen Kollegen kritisiert die mir vorwerfen, ich würde „Geheimnisverrat“ begehen. Dabei ist ein bloßes Kopieren höchstens im Studio möglich. Sonst ist es doch nur simple Physik ;-)

      Beste Grüße
      Stefan

  • Reply
    Uwe
    31. Juli 2014 at 11:46

    Super Fotos, finde schon echt interessant. Der LKW hats aber auch verdient :)

  • Reply
    Hans Lamminger
    3. Mai 2015 at 16:38

    Hallo Stefan,

    danke für die ausführliche Erklärung und den guten Tipp`s!
    Ich fotografiere zwar Menschen mit entfesselten Blitz, bei meinen Fahrzeug Shootings wäre ich aber noch nicht darauf gekommen, mit Licht zu malen.

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