Bewerbungsfotos und andere Spielereien mit Licht

Portraitfoto mit Skateboard am Messebahnhof in Laatzen

Vor rund einem Jahr war ich mit Puja in Laatzen unterwegs, um als Freundschaftsdienst ein paar Bewerbungsfotos und Lifestyle-Portraits mit und ohne Skateboard aufzunehmen.

Zeit also, euch im neuen Blog-Gewand hier mal ein paar Ergebnisse zu zeigen und ein wenig über die Technik hinter den Fotos zu plaudern… ;-)

Erst mal gucken!

In anderen Blogeinträgen habe ich euch immer wieder erzählt, dass es vor allem auf das Licht ankommt. Auch hier habe ich diesen Rat selbst befolgt und mir die Location zunächst, nur mit einer Kamera bestückt, angeschaut, um die Lichtverhältnisse auszuloten.

Und was soll ich sagen: Obwohl der Kofferraum voller Blitzequipment war, habe ich davon nichts benötigt!

Perfektes Umgebungslicht: Ein Licht von schräg oben als Haar-/Kopflicht, Licht von hinten und rechts für die Umrisse und indirektes Licht einer großen sandfarbenen Mauer als Aufhell-Licht

Perfektes Umgebungslicht: Ein Licht von schräg oben als Haar-/Kopflicht, Licht von hinten und rechts für die Umrisse und indirektes Licht einer großen sandfarbenen Mauer als Aufhell-Licht

Denn im Gebäude fand sich eine Stelle, an der alles passte. Doch der Reihe nach…

Die Lichtquelle ist entscheidend

Wichtig ist bei Umgebungslicht für uns zunächst immer die Lichtquelle, also welche Form sie hat, wie stark sie scheint und wo sie sich befindet. Denn bei Umgebungslicht (im Englischen ja auch „available light photography“ = „Fotografie mit verfügbarem Licht“ genannt) können wir uns meistens diese Umstände nicht aussuchen, sondern uns nur mit ihnen arrangieren.

Tipp: Das richtige Erkennen von Umgebungslicht ist auch gaaaaanz wichtig für alle, die sich mit Blitzfotografie beschäftigen! Denn oft muss außerhalb des Studios ein gutes Verhältnis zwischen Blitzlicht und Umgebungslicht hergestellt werden, wozu man das Umgebungslicht natürlich auch gut einschätzen können sollte!

Hier war Hauptlichtquelle die Sonne, die Ende November auch schon zur Mittagszeit relativ weit herumgewandert ist und leicht schräg am Himmel steht, da sie schon gegen 16.25 Uhr untergeht (zumindest im Breitengrad von Hannover, je südlicher desto später der Sonnenuntergang).

In einem Teil des Gebäudes fand sich eine lange Fensterfront, durch die dieses Licht schien. Für unsere Zwecke allerdings wesentlich zu hart und zu hell, denn ich hätte extrem unterbelichten müssen, um keine ausgefressenen Lichter zu erhalten. Das Gesicht wäre somit viel zu dunkel geworden und ich hätte definitiv von vorne blitzen oder einen anderen externen Aufheller nutzen müssen:

Von dieser Seite schien hartes Sonnenlicht herein!

Von dieser Seite schien hartes Sonnenlicht herein!

Auf der anderen Seite des Gangs allerdings kamen die Sonnenstrahlen nur noch als diffuses Licht an und waren damit perfekt für unser Portrait:

Die andere Seite: Hier gelangten die Sonnenstrahlen nicht direkt hin, sondern wurden durch Hindernisse schön diffus verteilt.

Die andere Seite: Hier gelangten die Sonnenstrahlen nicht direkt hin, sondern wurden durch Hindernisse schön diffus verteilt.

Okay, schon mal ganz gut. Natürlich sollte Puja auch gut von vorne zu erkennen sein, so dass das weiche Licht von der Seite alleine trotzdem nicht ausgereicht hätte.

Doch auch hier fand sich eine Lösung durch die Architektur. Denn links angrenzend zum obigen Foto war auch ein großes Fenster. Und im 90 Grad-Winkel zu diesem Fenster lag eine sandstein-farbene Mauer, die das Sonnenlicht schön weich zurückwarf. Somit hatten wir unseren Aufheller.

Eine sandstein-farbene Wand als Aufheller für das Gesicht

Eine sandstein-farbene Wand als Aufheller für das Gesicht

Nun werdet ihr vielleicht sagen: „Hey, wenn das Licht von rechts und das von der Wand beide von der Sonne kamen, dann waren die doch gleich hell“. Stimmt – und hier machte die Entfernung zur Lichtquelle viel aus.

Die Wand lag sehr nah an dem Fenster, an das ich Puja gestellt habe. Er stand aber ungefähr doppelt so weit weg von der anderen Fensterfront, so dass beide Lichtquellen eine unterschiedliche Intensität hatten.

Zusätzlich „verlor“ das Licht von der Wand ja auch noch, weil es reflektiert wurde und die Wand etwas Licht „schluckte“.

Licht von hinten

Ein weiterer Pluspunkt dieses Standortes für Puja war der nach hinten langgezogene Verlauf des Gebäudeteils mit einem hellen Lichtfleck am Ende, der natürlich auch immer simultan die Helligkeit mit den anderen Bildteilen veränderte, da er ebenfalls aus Sonnenlicht gespeist wurde.

Veränderte sich also die Sonne, weil zum Beispiel eine leichte Wolke davor geschoben wurde, musste ich nur die Belichtungszeit an der Kamera ändern (ich fotografiere bei so was manuell im Modus M) und schon passte trotzdem alles wieder.

Wichtiges Extra: Haarlicht

Fehlte nur noch ein Haarlicht, oder auch Rimlight oder Kopflicht genannt, als Zuckerl. Das ist ein Licht von leicht oben/schräg hinten, das den Haaren und den Konturen des Oberkörpers einen kleinen „Kick“ als Extra gibt. Warum der Aufwand? Weil man dadurch nicht nur den Portraitierten besser vom Hintergrund abhebt – es verleiht einem Portrait auch eine gewisse Tiefe oder Dreidimensionalität. Gerade wenn der Portraitierte dunkle Haare hat und vor einem dunklen Hintergrund steht (oder helle Haare bei hellem Hintergrund) geht es eigentlich gar nicht ohne.

Okay, doch auch das Haarlicht ließ sich an unserer Location finden – denn von oben gab es regelmäßig kleine Durchlässe für die Belüftung, durch die das harte Sonnenlicht nur leicht abgeschwächt „herunter rieselte“. Puja musste nur noch exakt positioniert werden!

(Wenn sich Wolken vor die Sonne geschoben hatten, war das Haarlicht nicht ganz so intensiv, weshalb wir meistens die Wolken abgewartet haben!) ;-)

Und dies war der erste Versuch, um das Licht zu testen:

Erste Stellprobe mit allen Umgebungslichtquellen (unbearbeitetes RAW direkt aus der Kamera!)

Erste Stellprobe mit allen Umgebungslichtquellen (unbearbeitetes RAW direkt aus der Kamera!)

Nachdem das also alles passte, konnten wir uns an die Portraits machen. Die Helligkeit des Lichts auf Pujas Gesicht haben wir reguliert, indem er sich einfach einen Schritt mehr oder weniger näher ans Fenster stellte. Unverschämt einfach, oder?

Hier sind ein paar Ergebnisse, die in Lightroom bearbeitet wurden (hauptsächlich Kontrast, Tiefen und Klarheit, und der Weißabgleich -> dafür fotografiert man ja auch in RAW)

Portraitfotos Puja Nagi Portraitfotos Puja NagiPortraitfotos Puja Nagi

Wie ihr an den folgenden Bildern seht, war das Licht weiterhin gut, als ich Puja etwas gedreht und vom Fenster weggeholt hatte. Auch das sehr helle Sonnenlicht durch die großen Fenster hinten bot einen interessanten Hintergrund.

Portraitfotos Puja Nagi Portraitfotos Puja Nagi Portraitfotos Puja Nagi Portraitfotos Puja Nagi

 

Eine Wand in diesem langen Gang gab uns schließlich auch einen neutraleren Hintergrund. Wo wir schon mal da waren ;-)

Business-Portraits in Hannover/Laatzen Business-Portraits in Hannover/Laatzen Business-Portraits in Hannover/Laatzen

Und auch ein paar Motive in der großen Halle sprangen uns in’s Auge:

Business-Portraits in Hannover/Laatzen Business-Portraits in Hannover/Laatzen Business-Portraits in Hannover/Laatzen auf Rolltreppe Business-Portraits in Hannover/Laatzen

 

Nachdem wir die Pflicht-Bilder für die Bewerbung und ein paar seriösere Fotos nun im Kasten hatten, begann der private „Lifestyle“-Teil, für den Puja sein Skateboard mitgebracht hatte. Auch hier wieder alles mit Umgebungslicht fotografiert, für das wir uns nur passende Stellen suchen mussten.

Bearbeitet habe ich die Fotos in einem etwas urbaneren Stil, auch teilweise mit Färbung.

Lifestyle-Portraits in Hannover mit Skateboard Lifestyle-Portraits in Hannover mit Skateboard Lifestyle-Portraits in Hannover mit Skateboard Lifestyle-Portraits in Hannover mit Skateboard Lifestyle-Portraits in Hannover mit Skateboard

Draußen gab es zum Abschluss dann noch unser Titelbild. Bot sich an, weil die Sonne gerade so gut stand und der Himmel richtig schön aufgerissen war…

Lifestyle-Portraits in Hannover mit Skateboard

 

Ich bin mir allerdings noch nicht ganz klar, welches Motiv ich besser finde – das, wo er gedankenverloren nach unten schaut (Titelbild) oder dieses mit dem Blick nach vorne.

Zum Schluss

So, nach vielen Bildern und Infos war es das jetzt. Ich hoffe, euch haben die Ausführungen gefallen und ihr konntet was mitnehmen ;-)

Fragen bitte wie immer als Kommentar und nicht als Mail – damit andere Blogleser auch an den Antworten teilhaben können. Vielleicht helfen die ihnen ja auch noch weiter…

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