Hongkong zur blauen Stunde (mit Erklärungen)

Stadtansicht von Hongkong zur blauen Stunde

Heute haben wir es geschafft, vor der blauen Stunde oberhalb von Hongkong Island auf dem sogenannten „Victoria’s Peak“ zu sein und uns auf dem in 428 Meter ü.N.N. gelegenen Aussichtsturm einen guten Platz für das Schauspiel der Großstadtlichter zur blauen Stunde zu ergattern!

Anstehen für die Peak Tram in Hongkong

Anstehen für die Peak Tram in Hongkong

Natürlich hatten auch noch rund 300 andere Menschen diese Idee ,und so durften wir uns erstmal knapp 30 Minuten anstellen, um mit der Standseilbahn, der „Peak Tram“, den Berg zu erklimmen.

Die Peak Tram ist ein schneller Weg, auf den Victoria's Peak zu kommen. Wie man sieht, hat der Fahrer auch unheimlich Spaß bei seinem Job ;-)

Die Peak Tram ist ein schneller Weg, auf den Victoria’s Peak zu kommen. Wie man sieht, hat der Fahrer auch unheimlich Spaß bei seinem Job ;-)

Wer ebenfalls zur blauen Stunde oben sein und noch einen guten Platz ergattern will, sollte also mindestens 45 Minuten eher an der Talstation sein, denn für die Tickets (ca 7,50 Euro inkl. Eintritt zur Plattform) muss man vorher ja auch noch mal anstehen ;-)

Diesen Blick hat man dann bei Tageslicht von oben:

Nachdem ich mir eine Lücke gesucht hatte, kam mein flexibles Gorillapod-Stativ zum Einsatz. Dieses Ministativ ist toll für Reisen, weil es biegsame Beine hat, eine DSLR mit schwerem Objektiv hält (dafür muss man aber die größere Ausführung kaufen!) und trotzdem schön leicht ist.

Nikon D600 auf "Gorillapod-Stativ SLR Zoom"

Die Nikon D600 auf meinem „Gorillapod-Stativ SLR Zoom“, dessen Beine ich so gebogen und zwischen Scheibe und Handlauf gedrückt hatte, dass es nach allen Richtungen stabil war.

Auf dem iPhone-Bild oben erkennt man links, dass ich den Tragegurt der D600 ständig um mein Handgelenk gewickelt hatte. Immerhin ging es jenseits der Scheibe rund 100 Meter hinunter ;-)

Wie sich dann das Licht entwickelte und welche Einstellungen und Korrekturen ich vorgenommen habe, zeige ich euch in den folgenden Bildern!


18.33 Uhr

Wir kommen auf der etwas mehr als 420 Meter hohen Aussichtsplattform an. Die Sonne ist zwar bereits untergegangen, aber noch wird die Stadt vom Tageslicht normal aufgehellt.

(Nikon D600, ISO 800, 14-24mm @ 20mm, Blende 20, Belichtungszeit 1/3 Sekunden, Weißabgleich: 6450 Kelvin)

18.33 Uhr: Wir kommen auf der etwas mehr als 420 Meter hohen AUssichtsplattform an. Die Standseilbahn und der Eintritt haben knapp 7,50 gekostet


18.38 Uhr

Es wird schon etwas schummriger und in einigen Häusern gehen die ersten Außenbeleuchtungen an.

(Nikon D600, ISO 800, 14-24mm @ 20mm, Blende 20, Belichtungszeit 1/3 Sekunden, Weißabgleich: 5667 Kelvin)

18.38 Uhr: Es wird schon etwas schummriger und in einigen Häusern gehen die ersten Außenbeleuchtungen an. (Nikon D600, ISO 800, 14-24mm @ 20mm, Blende 20, Belichtungszeit 1/3 Sekunden, Weißabgleich: 5667 Kelvin)


18.45 Uhr

So langsam merkt man, dass die Sonne weg ist. Auch die Lichter in den Häusern kommen nun langsam zur Geltung. Ich drehe die Belichtungszeit etwas länger und öffne die Blende etwas weiter, um das schwächere Licht auszugleichen.

(Nikon D600, ISO 800, 14-24mm @ 21mm, Blende 16, Belichtungszeit 1 Sekunde, Weißabgleich: 5667 Kelvin)

18.45 Uhr: So langsam merkt man, dass die Sonne weg ist. Auch die Lichter in den Häusern kommen nun langsam zur Geltung.  Ich drehe die Belichtungszeit etwas länger und öffne die Blende etwas weiter, um das schwächere Licht auszugleichen.  (Nikon D600, ISO 800, 14-24mm @ 21mm, Blende 16, Belichtungszeit 1 Sekunde, Weißabgleich: 5667 Kelvin)


18.49 Uhr

Nun entwickelt sich vor mir rasant ein Farbenmeer, das ich allerdings noch richtig für das Foto herauskitzeln muss.

Also fange ich mit dem Experimentieren an. Vom vorigen Bild hatte ich gute Einstellungen für die Lichter der Häuser bekommen und orientiere mich daran.

Ich schließe die Blende um zwei Stufen weiter (von 16 auf 20) und drehe die Zeit zwei Stufen und noch einen Tick länger als vorher.

Inzwischen habe ich auch mein Ministativ so eingeklemmt, dass ich mit der Ausrichtung der Kamera zufrieden bin! Jetzt heißt es nur noch, den Platz erfolgreich gegen Drängler und Schubser zu verteidigen 

Den Weißabgleich habe ich übrigens im Nachhinein in Lightroom eingestellt – denn natürlich habe ich in RAW fotografiert, um später wesentlich mehr Farbabstufungen zur Verfügung zu haben bei der Nachberabeitung von Lichtern und Schatten als bei jpeg.

(Nikon D600, ISO 800, 14-24mm @ 21mm, Blende 20, Belichtungszeit 2,5 Sekunde, Weißabgleich: 5667 Kelvin)

18.49 Uhr: Nun entwickelt sich vor mir rasant ein Farbenmeer, das ich allerdings noch richtig für das Foto herauskitzeln muss.  Also fange ich mit dem Experimentieren an. Vom vorigen Bild hatte ich gute Einstellungen für die Lichter der Häuser bekommen und orientiere mich daran.  Ich schließe die Blende um zwei Stufen weiter (von 16 auf 20) und drehe die Zeit zwei Stufen und noch einen Tick länger als vorher.  Inzwischen habe ich auch mein Ministativ so eingeklemmt, dass ich mit der Ausrichtung der Kamera zufrieden bin! Jetzt heißt es nur noch, den Platz erfolgreich gegen Drängler und Schubser zu verteidigen   Den Weißabgleich habe ich übrigens im Nachhinein in Lightroom eingestellt - denn natürlich habe ich in RAW fotografiert, um später wesentlich mehr Farbabstufungen zur Verfügung zu haben bei der Nachberabeitung von Lichtern und Schatten als bei jpeg.  (Nikon D600, ISO 800, 14-24mm @ 21mm, Blende 20, Belichtungszeit 2,5 Sekunde, Weißabgleich: 5667 Kelvin)


18.54 Uhr

Immer schneller gewinnt nun der dunkle Nachthimmel überhand und es beginnt das, was man als blaue Stunde bezeichnet – der Zeitraum, in dem die Sonne weg ist, die Atmosphäre aber noch durch die Erdkrümmung von den Sonnenstrahlen getroffen und in ein bläuliches Licht getaucht wird.

Für Fotografen ein Traum, denn nun heben sich die Gebäude oder Menschen noch vor dem Himmel ab. Schwarze Gebäudeumrisse vor schwarzem Himmel sieht man halt nicht. Außerdem müsste man so stark belichten, dass die Lichter an und in den Häusern ausfressen!

Der noch leicht helle Himmel gibt uns genau den kleinen Boost den wir noch brauchen.

Ich spiele jetzt ein bisschen herum und drehe mal die ISO-Zahl herunter, um das Rauschen noch weiter zu reduzieren, das bei Langzeitbelichtungen entstehen kann. Inzwischen ist es schon richtig dunkel und so muss ich die Blende zusätzlich weiter öffnen und zum Ausgleich für die schwächere ISO-Empfindlichkeit die Zeit verlängern.

DASS DIES NUR MIT STATIV GEHT ist klar, oder? ;-)

Ein Weißabgleich Richtung Kunstlicht bringt nun auch das Blau des Himmels richtig knackig heraus und sorgt für ein, gefühlt, weißeres Licht in und an den Häusern.

(Nikon D600, ISO 400, 14-24mm @ 21mm, Blende 13, Belichtungszeit 4 Sekunden, Weißabgleich: 3940 Kelvin)

18.54 Uhr: Immer schneller gewinnt nun der dunkle Nachthimmel überhand und es beginnt das, was man als blaue Stunde bezeichnet - der Zeitraum, in dem die Sonne weg ist, die Atmosphäre aber noch durch die Erdkrümmung von den Sonnenstrahlen getroffen und in ein bläuliches Licht getaucht wird.  Für Fotografen ein Traum, denn nun heben sich die Gebäude oder Menschen noch vor dem Himmel ab. Schwarze Gebäudeumrisse vor schwarzem Himmel sieht man halt nicht. Außerdem müsste man so stark belichten, dass die Lichter an und in den Häusern ausfressen!  Der noch leicht helle Himmel gibt uns genau den kleinen Boost den wir noch brauchen.  Ich spiele jetzt ein bisschen herum und drehe mal die ISO-Zahl herunter, um das Rauschen noch weiter zu reduzieren, das bei Langzeitbelichtungen entstehen kann. Inzwischen ist es schon richtig dunkel und so muss ich die Blende zusätzlich weiter öffnen und zum Ausgleich für die schwächere ISO-Empfindlichkeit die Zeit verlängern.  DASS DIES NUR MIT STATIV GEHT ist klar, oder? ;-)  Ein Weißabgleich Richtung Kunstlicht bringt nun auch das Blau des Himmels richtig knackig heraus und sorgt für ein, gefühlt, weißeres Licht in und an den Häusern.  (Nikon D600, ISO 400, 14-24mm @ 21mm, Blende 13, Belichtungszeit 4 Sekunden, Weißabgleich: 3940 Kelvin)


18.57 Uhr

Ich spiele weiter herum, während das Blau sich langsam aber sicher vom Acker macht. Die ISO-Zahl drehe ich wieder auf 800 herauf, halbiere aber die Zeit auf 2 Sekunden. Wie schnell das Licht sich in nur drei Minuten im Vergleich zum Bild vorher verändert hat ist schon krass – eigentlich müsste das Foto mit diesen Einstellungen nämlich fast gleich hell sein. Ist es aber nicht, weil das Tageslicht gerade sehr schnell verschwindet…

(Nikon D600, ISO 800, 14-24mm @ 21mm, Blende 20, Belichtungszeit 2,0 Sekunde, Weißabgleich: 3997 Kelvin)

18.57 Uhr: Ich spiele weiter herum, während das Blau sich langsam aber sicher vom Acker macht. Die ISO-Zahl drehe ich wieder auf 800 herauf, halbiere aber die Zeit auf 2 Sekunden. Wie schnell das Licht sich in nur drei Minuten im Vergleich zum Bild vorher verändert hat ist schon krass - eigentlich müsste das Foto mit diesen Einstellungen nämlich fast gleich hell sein. Ist es aber nicht, weil das Tageslicht gerade sehr schnell verschwindet...  (Nikon D600, ISO 800, 14-24mm @ 21mm, Blende 20, Belichtungszeit 2,0 Sekunde, Weißabgleich: 3997 Kelvin)


18.59 Uhr

Weil das Licht so schnell verschwand, habe ich also die Belichtungszeit verdoppelt auf 4 Sekunden. Um das Bild noch ein bisschen „weicher“ und die Lichter „schwammiger“ und „glitzeriger“ zu machen (meine Güte, was für ein Deutsch) habe ich die Blende etwas weiter geöffnet (Merke: Offene Blende = weiche Lichter, geschlossene Blende = harte klare Lichter. Kneift mal die Augen zusammen wenn ihr eine Lichtquelle seht, nichts anderes passiert beim Fotografieren dann mit der Lichtquelle auch, sie wird klarer).

So kam jedenfalls mein FAVORIT heraus, den ihr auch oben auf dem Titelbild seht!

(Nikon D600, ISO 800, 14-24mm @ 21mm, Blende 13, Belichtungszeit 4,0 Sekunde, Weißabgleich: 3997 Kelvin)

18.59 Uhr: Weil das Licht so schnell verschwand, habe ich also die Belichtungszeit verdoppelt auf 4 Sekunden. Um das Bild noch ein bisschen "weicher" und die Lichter "schwammiger" und "glitzeriger" zu machen (meine Güte, was für ein Deutsch) habe ich die Blende etwas weiter geöffnet (Merke: Offene Blende = weiche Lichter, geschlossene Blende = harte klare Lichter. Kneift mal die Augen zusammen wenn ihr eine Lichtquelle seht, nichts anderes passiert beim Fotografieren dann mit der Lichtquelle auch, sie wird klarer).  So kam jedenfalls mein FAVORIT heraus!  (Nikon D600, ISO 800, 14-24mm @ 21mm, Blende 13, Belichtungszeit 4,0 Sekunde, Weißabgleich: 3997 Kelvin)


19.03 Uhr

Das war es mit der Blauen Stunde. In nur knapp acht bis zehn Minuten war es möglich, die besondere Lichtstimmung für Fotos zu nutzen.

(Nikon D600, ISO 800, 14-24mm @ 21mm, Blende 18, Belichtungszeit 4,0 Sekunde, Weißabgleich: 3940 Kelvin)

19.03 Uhr: Das war es mit der Blauen Stunde. In nur knapp acht bis zehn Minuten war es möglich, die besondere Lichtstimmung für Fotos zu nutzen. (Nikon D600, ISO 800, 14-24mm @ 21mm, Blende 18, Belichtungszeit 4,0 Sekunde, Weißabgleich: 3940 Kelvin)

Ein Selbstportrait musste natürlich auch noch sein :-)

Ein Selbstportrait musste natürlich auch noch sein :-)

Soviel für heute aus Hong Kong :-)

Ach ja, ein kurzes Video mit ein paar Sekunden der blauen Stunde habe ich auch noch für euch. Da sieht man sehr schön, wie es an vielen Stellen blinkt und blitzt in der Stadt und an den Häusern.

Die Häuser sind dabei teil einer Lightshow, die zentral gesteuert werden kann. Jeden Abend gibt es dadurch eine richtige Vorführung mit Musikuntermalung für Zuschauer auf einer großen Tribüne an der Promenade von der anderen Seite des Wassers, dem Stadtteil Kowloon.

Der Victoria’s Peak samt Stadtsilhouette sieht von dort so aus:

Stadtsilhouette mit den Hochhäusern von Hong Kong Island bei Nacht von Kowloon aus bei Nacht gesehen

Stadtsilhouette mit den Hochhäusern von Hong Kong Island bei Nacht von Kowloon aus bei Nacht gesehen

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