Lightroom-Tipp: Best of-Katalog erstellen

So wird mein neues Portfolio aussehen. Nun muss ich dafür nur noch die Bilder aus 290.000 Dateien raussuchen...

In diesem Blogpost geht es um das Füllen eines separaten Katalogs über die Funktion „Automatischer Import“ in Lightroom. Eine tolle Möglichkeit, Bilder samt Einstellungen zu sammeln und sich so zum Beispiel einen Best of-Katalog zu erstellen, sogar aus mehreren unterschiedlichen Katalogen, während die Originale in diesen Katalogen bleiben können…

Die Qual der Wahl für’s Portfolio

Ihr kennt das sicherlich:

Selbstkritisch zu entscheiden, welches die besten Bilder sind, ist schon hart genug. Doch wer nun, wie ich, eine riesige Sammlung von Fotos angesammelt hat (bei mir sind es inzwischen knapp 290.000 Fotos im Lightroom-Katalog), dem graust es vor solchen „Portfolio-Raussuch-Aktionen“ auch deshalb, weil man einfach den Überblick verliert und sich in den vielen Bildern verzettelt.

Man weiß zwar ungefähr, welches die „Gewinner“  eines Ereignisses oder Shootings waren, trotzdem ist es sehr mühselig, diese dann wieder zu finden. Selbst wenn die Bilder schon sehr korrekt in Sammlungsordnern und Sammlungen organisiert und mit Sternchen und Farben versehen sind, verliert man (ich auf jeden Fall) einfach schnell die Übersicht…

Außerdem wäre ein kleiner Katalog mit wenigen Bildern viel leichter mitzunehmen, zum Beispiel auf einem USB-Stick oder einer kleinen SSD-Festplatte, als ein sehr großer.

Deshalb dachte ich mir:

Mensch, fange ich doch heute mal meine neue „Lightroom-Tipps“-Serie an und zeige euch eine schnelle Lösung, um mit Lightroom 4 eure Top-Bilder in einem separaten Katalog sammeln zu können!

Top-Bilder in einen separaten Katalog kopieren!

Das Problem: Wenn man RAW-Dateien kopiert, fallen alle Änderungen und Einstellungen zur Bildbearbeitung weg, weil die nur im Lightroom-Katalog und nicht in der RAW-Datei gespeichert sind!

Wäre es deshalb nicht toll, wenn man mit Lightroom einfach die Top-Bilder in einen eigens dafür angelegten neuen Katalog kopieren und dabei ALLE EINSTELLUNGEN für die Bildentwicklung und die Schlagworte behalten könnte?

Tja, genau das geht sogar ganz leicht!

Mit dem sogenannten „Automatischen Import“ bietet Lightroom 4 die Möglichkeit, beim Start eines Katalogs einen bestimmten Ordner auf neue Bilder zu kontrollieren und diese automatisch dem geöffneten Katalog hinzuzufügen!

Wenn man sich nun noch im Originalkatalog ein Export-Preset bastelt, kann man so ganz einfach einen Best of-Katalog füllen. Sieht man also dann ein Bild, das man in dem neuen Katalog haben möchte, einfach nur per Preset exportieren. Egal ob 20 oder 2000 Fotos – wenn ihr das nächste Mal den Best of-Katalog in Lightroom öffnet, werden alle vorher in den überwachten Ordner exportierten Dateien importiert und stehen sofort im neuen Katalog bereit!

Auch, wer für jedes Jahr einen extra Katalog angelegt hat, kann trotzdem ein „Best of“ dieser Kataloge aus allen Jahren sammeln! Oder einen Katalog mit den besten Kundenbildern, oder Tierbildern oder oder oder..

Und natürlich ist das nicht nur für einen Best of-Katalog geeignet – damit lassen sich Bilder zentral einlesen, bearbeiten, verschlagworten und, zum Beispiel in Firmen, Mitarbeitern oder Projekten zuweisen, ohne dass die Originale in Gefahr geraten, gelöscht zu werden!

Schritt für Schritt

Im Folgenden zeige ich euch die Schritte, die ihr jetzt ein Mal (durch)machen müsst, um später mit zwei Mausklicks sekundenschnell eure Favoriten exportieren zu können.

1.) Neuen Katalog anlegen

Zunächst legen wir unseren neuen Best Of-Katalog an.

Neuen Katalog anlegen

Neuen Katalog anlegen

Ich habe ihn „Best of ab 2004“ genannt.

So sieht es dann auf einem Mac aus

So sieht es dann auf einem Mac aus

2.) Wir legen die Einstellungen für „automatisches Importieren“ fest

Öffnet diesen neuen Katalog und klickt auf „Datei“ -> „Automatisch importieren“ -> „Einstellungen für den automatischen Import“:

Einstellungen für den automatischen Import im neuen Katalog

Einstellungen für den automatischen Import im neuen Katalog

Dort wählt ihr aus, welcher Ordner überwacht wird und was Lightroom mit gefundenen Bildern anstellen soll:

Die Einstellungen, welcher Ordner überwacht werden soll

Die Einstellungen, welcher Ordner überwacht werden soll

Automatisch importieren:
Hier muss natürlich das Häkchen gesetzt sein, sonst macht Lightroom nüscht.

Überwachter Ordner:
Klickt man auf „Wählen“, kann man (zumindest auf dem Mac) einen neuen Ordner anlegen, in dem die Bilder „ankommen“. Dies ist der Ordner, den Lightroom beim Start auf neue Bilder prüft!

Verschieben nach:
In diesen Ordner verschiebt Lightroom die zuvor aus dem Ursprungskatalog exportierten Dateien während des Imports. Nach einem erfolgreichen Import ist dieser Ordner also wieder leer.

Dateibenennung: Hier könnt ihr entweder eine der Vorlagen für die Umbenennung der importierten Dateien auswählen oder selbst eine Vorlage erstellen. Möchtet ihr, dass vor den importierten Dateinamen zum Beispiel das Wort „Best of“ steht, wird dies genau hier eingestellt.

Ich empfehle aber, das auf „Dateiname“ zu lassen, damit die Datei genau so heißt wie das Original in eurem Hauptkatalog. Das macht es leichter, die Datei dort später wieder zu finden!

Entwicklungseinstellungen:
Hier habt ihr die Möglichkeit, die importierten Bilder mit Presets schon beim Import bearbeiten zu lassen, analog zum Import-Dialog, den ihr sonst aus Lightroom kennt.

Metadaten:
Auch eure Metadaten wie „Bildinhaber, Copyright“ etc könnt ihr hier beim Import überschreiben.

Beide Funktionen sind bei mir deaktiviert („Keine“), da ich ja im Hauptkatalog schon an den Bildbearbeitungsreglern gespielt und meine Metadaten passend eingegeben hatte. Warum sollte ich das also ändern? ;-)

Erstvorschauen:
Die Größe der Vorschaubilder. Standard bezeichnet hier die Größe, die ihr unter „Datei“ – > „Katalogeinstellungen“ angegeben habt.

Mit einem Klick auf OK übernehmt ihr diese Einstellungen. Im Menü unter „Datei“ ist nun ein Häkchen neben „Automatisch importieren“ das euch zeugt, dass die Ordner-Überwachung aktiviert ist:

Häkchen da? Dann ist der automatische Import aktiviert

Häkchen da? Dann ist der automatische Import aktiviert

3.) Export-Voreinstellungen festlegen

Okay, nachdem wir das Ziel festgelegt und unserem Best of-Katalog „gesagt“ haben, dass er beim Start in einem bestimmten Ordner nach neuen Bildern suchen soll, müssen wir die Bilder aus dem Hauptkatalog nur noch exportieren.

Dazu legen wir uns im Hauptkatalog ein Preset, also eine Voreinstellung an. Mit einem Klick auf die rechte Maustaste können wir so ganz schnell unser jeweiliges hammer Bild exportieren und müssen nicht immer wieder alle Voreinstellungen auswählen, wie z.B. den Ordner, wo es hin soll.

Wechselt wieder zu eurem Hauptkatalog (!)

Klickt auf „Datei“ -> „Exportieren…“:

Zurück im Hauptkatalog, klickt auf "Datei" und "Exportieren..."

Zurück im Hauptkatalog, klickt auf „Datei“ und „Exportieren…“

Dadurch erscheint ein Fenster mit all euren Voreinstellungen:

In diesem Fenster legen wir ein Preset für den Export in unseren Best of-Katalog an

In diesem Fenster legen wir ein Preset für den Export in unseren Best of-Katalog an

Speicherort für Export:
Um uns Arbeit zu ersparen und nicht bei jedem Export in unseren Best of-Katalog einen Ordner auswählen zu müssen, wählt hier „Spezieller Ordner“ aus und gebt den Ordner an, den euer Best of-Katalog beim Start automatisch nach neuen Bildern durchsucht.

Dateibenennung:
Wie beim Import könnt ihr auch beim Import noch einen anderen Namen vergeben. Wie geschrieben, würde ich das aber nicht empfehlen, um die korrespondierenden Originale im Hauptkatalog später einfach wieder zu finden anhand des Dateinamens.

Dateieinstellung: Der wichtigste Punkt überhaupt!
Hier legen wir das Format fest, in dem Lightroom die Datei aus unserem Hauptkatalog in den Best of-Katalog-Ordner exportieren wird.

Würden wir hier nur das Original, also die RAW-Datei, exportieren, wären alle Einstellungen zur Bildbearbeitung, Verschlagwortung etc. weg, da diese Daten ja nur im Lightroom-Katalog gespeichert sind und nur bei einem Export, z.B. als JPEG, auf die RAW angewendet werden.

Speichern wir aber unter „Bildformat“ als DNG, werden in diese DNG-Datei die Änderungen aus Lightroom mit eingepflegt und können von jedem Lightroom-Katalog und von Photoshop gelesen werden. Geil, oder?

Da dabei die RAW-Datei umgewandelt wird, können Hasenfüsse noch anklicken „RAW-Originaldatei“ einbetten. Da ich die Originaldateien aber ja noch als RAW in meinem Hauptkatalog habe, mache ich das nicht…

In Lightroom geändert - doch die exportierte DNG-Datei zeigt die Änderungen auch dem "Raw Converter" in Photoshop an!

In Lightroom geändert – doch die exportierte DNG-Datei zeigt die Änderungen auch dem „Raw Converter“ in Photoshop an!

Achtet darauf, welche Version des Camera Raw-Konverters bzw. welche Lightroom-Version der Katalog hat, in den das Bild später wieder exportiert werden soll! Exportiert ihr für die neue ACR-Version (Adobe Camera Raw), habt jedoch ein älteres Photoshop oder noch Lightroom 2 oder 3, gibt es beim Import Probleme!

Klickt nun „Stichworte als Lightroom-Hirarchie schreiben“ ebenfalls an, um die bereits vergebenen Stichworte zu übernehmen.

Nach dem Export könnt ihr noch Anwendungen mit den Bildern öffnen, um sie anzuzeigen. Aber das will ich ja jetzt noch nicht, ich will die Bilder nur schnell im Hintergrund exportieren und dem anderen Katalog bereitstellen!

4.) Voreinstellungen in Ordnern gruppieren

Nachdem ihr alle Einstellungen vorgenommen habt, klickt noch nicht auf „Exportieren“, sondern speichert diese Einstellungen als neue Voreinstellung. Da ich viele Voreinstellungen für verschiedene Export-Arten habe, sortiere ich meine Presets in Ordnern. Das ist in Lightroom leider etwas umständlich gelöst und meiner Meinung nach nicht sehr intuitiv…

Klickt zunächst in der unteren linken Ecke des Fensters auf „Hinzufügen“. Dadurch öffnet sich eine Eingabemaske:

...unten links ein Klick auf "Hinzufügen"

…unten links ein Klick auf „Hinzufügen“

Um einen neuen Ordner anzulegen, muss man nun in dem Auswahlfenster erst auf den angezeigten Ordnernamen klicken, dort findet sich die Auswahl für „Neuer Ordner…“:

...erst durch Klick auf den Ordnernamen sieht man oben "Neuer Ordner"

…erst durch Klick auf den Ordnernamen sieht man oben „Neuer Ordner“

Erstellt euch einen Ordner für die Voreinstellung Preset. In meinem Fall habe ich ihn ganz prägnant „4 – Export Best of“ genannt.

Ihr seht, das meine Ordner eine Nummer vorangestellt haben. Der Grund ist einfach: Es gib keine Möglichkeit, die Ordner manuell zu sortieren. Lightroom sortiert automatisch alphanumerisch! Indem ich also eine 1, 2, 3 etc. voranstelle, kann ich die Reihenfolge selber festlegen und finde alles schnell wieder, statt immer zu schauen, wo jetzt wieder ein Preset hingewandert ist, nachdem ich neue hinzugefügt hatte…

5.) Ein Rechtsklick – und das war’s schon fast!

Habt ihr nun einen Favoriten für den neuen Lightroom-best of-Katalog entdeckt (oder mehrere), klickt mit der rechten Maustaste in das Bild (bei mehreren ausgewählten müsst ihr im Filmstrip unten mit der rechten Maustaste auf eines der Bilder klicken, da sonst nur das aktuell angezeigte Bild exportiert, und nicht alle!)

Es erscheint das sogenannte Kontext-Menü nach Klick auf die rechte Maustaste:

Durch Rechtsklick ins Bild öffnet sich das Kontext-Menü mit unserer neu erstellten Voreinstellung

Durch Rechtsklick ins Bild öffnet sich das Kontext-Menü mit unserer neu erstellten Voreinstellung

Das war’s schon! Mit dem Klick wurde das Bild als DNG in den von euch vorher eingestellten Ordner exportiert. Genau deswegen haben wir ein Preset erstellt, weil wir dann nicht mehr jedes Mal die Ordner und Dateiart auswählen müssen :-)

6.) Best of-Katalog öffnen

Jetzt öffnet einfach nur noch den Best of-Katalog und genießt die Früchte eurer einmaligen Mühe! :-)

Kleiner Tipp dazu: Ihr müsst nicht ständig über das „Katalog öffnen“-Menü zum Katalog klicken. Unter „Datei“ -> „Letzte Dateien öffnen“ stehen immer die zuletzt geöffneten Kataloge zur Auswahl. So wechselt ihr mit einem Klick zwischen den Katalogen (Lightroom muss dazu trotzdem immer wieder neu starten!)

...unter "Letzte Dateien öffnen" findet ihr immer die zuletzt benutzten Kataloge zur Auswahl!

…unter „Letzte Dateien öffnen“ findet ihr immer die zuletzt benutzten Kataloge zur Auswahl!

Sobald der Best of-Katalog geöffnet wird, überprüft Lightroom den angegebenen Ordner und findet euer Bild dort. Die Datei wird in den festgelegten Ordner verschoben und dem Katalog mit allen Einstellungen hinzugefügt. Das könnt ihr oben links in der Ecke beobachten:

Oben links seht ihr beim Öffnen des Best of-Katalogs, dass Lightroom arbeitet und Dateien importiert

Oben links seht ihr beim Öffnen des Best of-Katalogs, dass Lightroom arbeitet und Dateien importiert

Und das war es schon. Alle Änderungen an der Belichtung, Pinsel etc. sind vorhanden, ebenso die Schlagworte. Nun könnt ihr eure Bilder in diesem Katalog wieder zu Sammlungen hinzufügen, um ihn übersichtlicher zu machen…

Zum Schluss

Ich hoffe, dieser Artikel war hilfreich für dich? Dann lass‘ es mich doch in den Kommentaren wissen. Denn Dank ist der größte Lohn für Mühe ;-)

Fragen stelle bitte auch direkt in den Kommentaren, damit andere an den Antworten teilhaben können!

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2 Comments

  • Reply
    Ralf Nöhmer
    9. Dezember 2012 at 22:31

    Tolle Idee! Kann ich gut gebrauchen.
    Danke.

  • Reply
    Lightroom-Tipps (2): Presets und Vorgaben kopieren oder im Katalog sichern und ein Backup erstellen » Blog von Stefan Simonsen, Fotojournalist aus Hannover
    16. Dezember 2012 at 19:35

    […] nur in eben diesem Katalog gespeichert. Öffnet ihr nun einen anderen Katalog (zum Beispiel euren “Best of”-Katalog mit automatischem Import), wären diese Presets nicht mehr verfügbar. Mehr dazu weiter unten im […]

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